Hier also der 2. Teil von "Wie schreibt man ein Gedicht?"
Den ersten Teil findet ihr hier:
[link]3. Den Leser fesseln
Man sollte in einem Gedicht als erstes Stilistische Mittel nutzen (=> siehe Link: ), diese gehört zu einem Guten Gedicht dazu, aber ich will euch ja ein paar Tipps und Tricks geben, die nicht unbedingt in der Theorie stehen.
Also los:
a) Die Richtige Wortwahl:
In unseren momentanen Beispielversen ist die Wortwahl sehr einfach gehalten:
„Die Katze geht durch die Nacht,
Das nächtliche Treiben erwacht"
Klingt ziemlich plump oder?
Also suchen wir uns Worte, die es treffender beschreiben. Was tun Katzen? Nun, sie gehen nicht einfach, sondern sie schleichen, oder huschen, oder vielleicht gleiten sie ja auch durch die Nacht?
Der neue Vers lautet dann:
„Die Katze gleitet durch die Nacht,
das nächtliche Treiben erwacht"
Hmmm… schon ganz gut, aber irgendwie immer noch nicht wirklich packend und anschaulich, oder?
Also kommen wir zum nächsten Tipp:
b) Adjektive (Zustandswörter)
Klingt einfach? Ist es auch!
Wie auch jede gute Geschichte lebt auch ein Gedicht von der Bildhaftigkeit der Situation.
Stellen wir uns dazu beispielhaft folgende Fragen:
1. Wie gleitet die Katze durch die Nacht?
=> schnell?, lautlos?, geschickt?
2. Wie ist die Umgebung (hier: die Nacht)
=> sehr dunkel (schwarz)?, vom Mond erhellt?, neblig?, kühl? usw.
3. Wie erwacht das Treiben?
=> langsam?, schon lange?, rege?
Nun suche ich mir das raus, was am besten zu meiner Vorstellung passt und die Verse lauten
Dann folgender maßen:
„Lautlos gleitet die Katze durch die kühle Nacht"
„rege das nächtliche Treiben erwacht"
Schon nicht schlecht, aber da geht noch mehr!
c) Geheimnisvoll & Rätselhaft
Interessant für den Leser ist es, wenn er nicht sofort erkennt worum es geht (das setzt natürlich
voraus, dass ihr es nicht offensichtlich im Titel schreibt ^^=> deshalb würde ich diesem Gedicht
auch den Titel „Schwarze Jägerin" und nicht, z.B. „Die Katze" geben xD )
Nehmen wir also das Wort „Katze heraus und ersetzen es schlichtweg durch „Sie" (man kann das
Sie erklären, in dem man in einem späteren Vers mit „die Katze" beginnt, man kann es gar nicht
Erklären und den Leser im Dunkeln tappen lassen (Freiraum für Interpretationen ^^), oder man
Man setzt „die Katze" sozusagen als „Pointe" (überaschende Wendung) im letzten Vers ein.
=> allgemein sind Pointen gut (viele Leser mögen es überrascht zu werden: Klassische Pointen
Findet ihr meist in Witzen: „2 Muffins im Ofen. Sagt der eine: „Puh! Das ist aber warm hier!",
da erwiedert der andere: „Oh mein Gott! Ein sprechender Muffin!"
=> mein Lieblingswitz ^^ )
Zurück zu unseren zwei Versen.
Unsere Verse lauten jetzt:
„Lautlos gleitet sie durch die kühle Nacht
rege das nächtliche Treiben erwacht"
=> Das hat auch den positiven Nebeneffekt, dass das Metrum (der Rhythmus) sich verbessert.
Dies ist wichtig für den Lesefluss.
So könnte man das eigentlich schon stehen lassen, aber das Metrum ist noch nicht optimal und
Ich hab auch noch einen letzten Tipp für euch.
Hier kommt:
d) Übertreibung!
Jetzt wird's richtig spaßig (das ist mein persönlicher Lieblingsteil)!
Ihr dürft so richtig auf den Putz hauen und den „Protagonisten" eures Gedichtes so
richtig in den Himmel heben, oder in die Pfanne hauen (je nach Thema des Gedichtes)
Das ist der Teil, mit dem ihr eure Leser zum Lachen oder zum Weinen bringt, mit dem
ihr sie auf das wütend macht, auf das ihr wütend seid oder sie mit euch das erleiden,
was ihr erleidet!
Dies ist sozusagen der richtig dramatische Teil.
Ok, ich übertreibe, habt ihr´s gemerkt? ^^
Übertreiben könnt ihr auf verschiedene Arten. Vor allem helfen euch dabei wieder die
Stilistischen Mittel (Metaphern, Anaphern, Stabreime…. Tobt euch aus!), aber auch
Satzzeichen („Ich hasse dich"; „Ich hasse dich!") usw.
Ich persönlich arbeite gern mit Metaphern und deshalb nutze ich auch diesmal eine.
und verändere meinen Vers nun zum letzten Mal:
„Schatten gleitet durch kühle Nacht
rege das unruhige Treiben erwacht" (=> nun stimmt auch das Metrum)
Das endgültige Gedicht:
Schwarze Jägerin
Schatten gleitet durch kühle Nacht
rege das unruhige Treiben erwacht
silbrig der Mond im Felle schimmert,
und der Hund des Nachbarn wimmert,
Die Zähne spitz wie Dolche
Und Krallen, ebensolche
Augen auf das Opfer gebannt
Schon so gut wie losgerannt
Doch dann, ein Ast, ein Schreck!
Und das Opfer ist weg…
-The End- ^^
Damit wäre das Gedicht vollendet und wenn ihr möchtet könnt ihr überlegen welche
Tipps, die ich euch gegeben habe im restlichen Gedicht verwendet wurden ^^
Ich hoffe ich konnte euch etwas helfen und jemand hat sich überhaupt das lange geschwafel durchgelesen. xD
Sollte noch Fragen bestehen, dann fragt einfach nach ^^
Lg LonlyAntelope